P. Philipp (Jakob) Borsinger von Baden


Lebensdaten
Geboren 1759, Profess 1778, Gestorben 1832

Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
12. Professen unter Abt Marian Müller 1773-80., Nr. 10
Professbuchnr.
470

Professdatum
1778

Professbuchtext
P. Philipp (Jakob) Borsinger von Baden. Geboren den 7. März 1759 als Sohn des Josef Fridolin Borsinger. Profess 21. November 1778. Priester 15. September 1783.
Bis zum August 1785 war P. Philipp Subarchivar, dann wurde er Katechet im Dorfe und Instruktor für die Konvertiten. Zugleich war er Exorcist; denn er musste im Januar 1788 nach Fahr, wo man die Schwester Walburga Weber besessen glaubte. 1789, den 4. Dezember, wurde er Katechet für Gross und Nachmittagskatechet im Dorfe. Am 6. Oktober 1789 wurde er Unterpfarrer von Einsiedeln, kam aber schon am 4. November 1790 als Pfarrer nach St. Gerold, wo er bis 1802 wirkte. Er musste von dort entfernt werden, da sein Verhalten weitherum Aufsehen erregte. Er fand besonders in Mörschwil, Kt. St. Gallen, Anhänger, wo durch kirchliche wie weltliche Behörden Untersuchungen angestellt wurden482. Eine Bemerkung im Tagebuch des P. Januarius Frei von Rheinau483 charakterisiert die ganze Geschichte am besten. Er schreibt: «Heute kam ein Schreiben von H.Prälaten in Fischingen, giebt Aufklärung über die Anapaptistische Geschichte im St. Galler Lande. 1. Wird P. Philipp B. von Einsiedeln, Pfarrer in St. Gerold, wo nicht Author, doch ziemlich Fautor ausgeruffen. 2. Er taufft nur jene, von denen es Zweifell war, dass sie nicht recht wären getaufft worden. 3. Hatte dieser gute Herr gar viel auf den gassnerischen Grundsätzen. Der Teufel muss an allem Schuld sein. 4. Der Exorcist hat eine besondere Andacht zum dem Herzen Jesu, daher Bruderschaften, 5. welche auch zu Nacht beobachtet wurden. Daher kömmt nun 1. dass die Sekte anabaptistisch, 2. manichäisch, 3. gnostische beschuldigt wird. Im Grunde et ego puto: a) der Herr hat vielen unklugen Eifer, b) gebraucht zuviel Weibereien, c) geben dem Teufel zu viel und ihrer Schwachheit zu wenig, d) alles scheint mir übertrieben. Von Seite des Bischofs ist eine Commission ernannt worden.» Sowohl die damaligen helvetischen Behörden als auch Wessenberg waren für diese fromme Bewegung, bei der manch Unkluges unterlief (wie das Wiedertaufen auf Aussagen angeblich besessener Personen hin), zum vornherein nicht gut zu sprechen. An der sittlichen Unbescholtenheit, wie an der persönlich durchaus frommen Einstellung P. Philipps darf indessen nicht gezweifelt werden. Im Kloster war er später Caeremoniar und Kapitelssekretär, sowie bis zum 26. März 1822 Brüderinstruktor, dann Infirmar. Er starb den 18. Juni 1832 im Alter von 74 Jahren. «Vir singularis, vir admirabilis, vir revera martyrizatus sine ullo unquam impatientiae verbulo aut suspirio»484. «Er ertrug seine Schmerzen mit grosser Geduld. Nie hörte man eine Klage, nie ein Ach oder Weh von ihm. Er wollte niemals den Doktor brauchen, obschon seine Beine anfiengen zu faulen und voller Würmer waren. Er liess die Wunden mit Weihwasser auswaschen. Erst in den lelzten drei Tagen ergab er sich ganz und sagte zum Hr. Doktor: er wolle nun mit sich machen und vornehmen lassen, was man wolle und war bereit, Medizin einzunehmen. Er trank auch viele Jahre lang keinen Wein. Erst in den letzten Wochen seiner Krankheit liess er sich dazu bereden und trank dann eine schöne Portion. Er hatte während seines Lebens viel auszustehen, weil er ein besonderer Liebhaber von Exorzismen und Benedictionen war. Daher seine Entzweyung mit Wessenberg etc. Er war ein äusserst eifriger Beichtvater, äusserst streng gegen sich selber und abgetödet und als Beichtvater eher zu gelinde als streng. Viele betrachteten ihn als einen heiligen Mann»485. Das Porträt P. Philipps hängt im Stiftsarchiv.
Schriften
Schriften: a) Gedruckte:
1. Kurzer Auszug einiger Gebether aus dem geistlichen Lese- und Bethbuch, nach den ordentlichen Pflichten der Christlichen Frömmigkeit eingerichtet. Verfasset von einem Priester des Fürstl. Gotteshauses Einsiedlen und mit Erlaubnis der Obern daselbst gedruckt durch Franz Salesi Benziger. 1786. 12 °. 445 Seiten und Register.
2. S. Francisci Salesii Philothea oder das sog. Geistliche Je länger je lieber. 1786. 8 °. 2. Auflage. 1500 Expl. Wurde schon 1754 gedruckt, 1500 Expl. à 34 Bogen.
3. Auserlesene Geschichten oder Exempelbuch aus der hl. Schrift, den hl. Kirchenvätern und bewährtesten Kirchenschriftstellern gezogen, aus dem Französischen. Einsiedeln 1788. 8 °. 748 S. u. Reg. 1500 Expl. X 372.
4. Neujahrsgeschenk für katholische Christen. 1818. 8°. 38 Seiten.
(Zur Bestärkung der Katholiken in ihrem Glauben.) Enthält:
§ 1. Protestantisches Jubelfest. S. 6-19.
§ 2. Von der Vereinigung der protestantischen Kirchen. S. 19-28.
§ 3. Vermischte Gegenstände. S. 28-38. X 786, 21.
5. Rede zur Bestärkung der Katholiken im Glauben, gehalten am ersten Sonntage des Jahres 1819. Im Verlage bey Sales Benziger in Einsiedeln. 8 °. 28 S. Do 394, 4.
b) Ungedruckte:
1. Notata ex S. Augustini operibus a Tomo II. usque ad VII. und a Tomo VII. usque ad X. - Notata ex S. Bernardi operibus. - Von dem Uebergewicht der römisch-katholischen Religion über alle andern. (Durchgesehen von Abt Konrad Tanner.) 8 °. Unpag. M E 240.
2. Varia scripta. 1. Notamina ex Scriptis polemicis P. Chrysostomi Helbling. 2. Sermo S. Basilii M. ad adolescentes, quomodo possunt ex gentilium libris fructum capere. 3. Drei Predigten des hl. Bernhard (deutsch). 4. Merkwürdige Stellen aus dem hl. Chrysostomus. 5. Von den Affekten. 6. Kommunionandacht für Kinder. 7. De S. Meditatione. 8. Aus Briefen des hl. Franz von Sales. 9. Von dem Ende der Welt etc. (Katechismuserklärungen). 8 °. Unpag. Mscr. ohne Sign.
3. Predigten (1788 ff.). 8 °. Unpag. Mscr. ohne Sign.