P. Aloys (Johann Josef Franz Sales Leonz Xaver Karl Anton Florian Sebastian Raymund Aloys) Jauch
Lebensdaten
Geboren 1751, Profess 1769
Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
11. Professen unter Abt Nikolaus Imfeld 1734-73., Nr. 99
Professbuchnr.
446
Professdatum
1769
Professbuchtext
P. Aloys (Johann Josef Franz Sales Leonz Xaver Karl Anton Florian Sebastian Raymund Aloys) Jauch von Altdorf. Geboren den 16. Januar 1751 als Sohn des Oberlieutenant Johann Josef Anton Jauch und der M. Anna Xaveria von Mentlen. Profess 24. September 1769. Priester 24. September 1774.
P. Aloys wirkte vom 25. Oktober 1774 bis zum 6. Oktober 1781 als Lehrer in Bellenz. Daheim war er Professor für Philosophie und seit dem 1. Juli 1783 Fraterinstruktor für P. Robert. Im März 1791 hielt er Exerzitien in Seedorf. 1791, im August, gab er vor, dass ein frommer, unweit Bregenz gebürtiger Mann ihn ersucht, ihm bei Errichtung einer religiösen Genossenschaft an die Hand zu gehen; Rom resp. der Nuntius sei davon bereits unterrichtet, man möchte ihn zu letzterem gehen lassen. Abt Beat erlaubte ihm eine Wallfahrt nach Sachseln; auf dem Wege könne er dann den Nuntius sprechen. Wirklich erhielt er vom Nuntius einen Brief an den Abt, dieser möchte P. Aloys mit einem Begleiter nach Rom gehen lassen. Der Abt und die Obern beschlossen, den weitern Gang der Dinge abzuwarten, ehe sie ihn ziehen liessen. Am 17. Oktober 1791 kam dann P. Aloys für P. Kolumban als Beichtiger nach Fahr. Von dort kamen 1792 Klagen, dass er Neuerungen einführe und sich durch «sein einbilderisches frommes Temperament» zu weit führen lasse. Er fand besonders Anhang unter den jüngern Schwestern und zerfiel mit den ältern Klosterfrauen und dem Propst. Deswegen und auch wegen schwächlicher Gesundheit kam P. Aloys 1792 wieder nach Bellenz, wo er bis im Mai 1794 blieb. Dann kehrte er heim und wurde am 17. November 1794 für P. Magnus Pfarrer von Eschenz. Hier fing P. Aloys allmählich an, häretische Lehren von der Kanzel zu verkünden, häretische Bücher zu verbreiten und einzelne Gläubige zum Abfall von der Kirche zu bewegen. Als Klagen beim Abte einliefen und P. Aloys davon erfuhr, verliess er Eschenz, ging zunächst nach Stein, dann nach Schaffhausen und schliesslich nach Zürich. Als man im Kloster von seiner Flucht hörte, sandte der Abt sogleich den Subprior, P. Fintan Steinegger, am 26. Februar 1797 nach Eschenz, um den Verirrten heimzuholen. Dieser konnte aber am 1. März nur heimberichten, dass P. Aloys fort sei, wovon P. Dekan dem Kapitel Mitteilung machte. Am 4. März kam P. Subprior heim, ohne P. Aloys gefunden zu haben. Dafür langte gleichen Tags ein Schreiben des Antistes Lavater460a von Zürich an, das berichtete, P. Aloys weile bei Lavater und weigere sich, trotz alles Zuredens, zu seinem Berufe zurückzukehren; das Haus Lavaters aber stehe jedem Besuch aus Einsiedeln offen. So gingen P. Chrysostomus Helbling, der ehemalige Novizenmeister des Unglücklichen, und P. Cölestin Müller, sein einstiger Mitnovize, dorthin. Aber all ihre Bemühungen waren vergebens. P. Aloys fiel vollständig von der Kirche ab und wurde zum reformierten Prediger ordiniert. Aber eine Anstellung fand er nicht und kam darum in eine missliche Lage. Zürich wollte ihn, mit Rücksicht auf Uri und Schwyz, wo der Abfall grosses Aufsehen erregte, nicht länger in seinen Mauern dulden. Er suchte durch Vermittlung von Landammann Emmanuel Camenzind in Gersau, eines Schwagers des Abtes, materielle Hilfe zu erlangen; aus den Briefen, die er an diesen Mann richtete, ergibt sich klar, dass P. Aloys an übertriebenen pietistischen Ideen krankte, wie sie sich gelegentlich früher schon geäussert hatten. Von einer Rückkehr wollte er nichts wissen. Er wurde später Missionär bei den Herrenhutern in Südrussland und starb dort, ausgesöhnt mit der Kirche; denn, wie sichere Nachrichten bezeugen, hatte er das Glück, in seiner Todesstunde von einem andern - ebenfalls abgefallenen Priester - die Absolution zu empfangen. Er wurde auch, wie er es gewünscht, im Ordenskleide, das er immer mit sich führte, in Katharinenstadt begraben. Der Abgefallene hatte geheiratet und liess seine Frau und zwei Knaben in grossem Elend zurück. Einsiedeln wurde später um Hilfe für sie angegangen; ja, einer der Söhne kam den 13. März 1828 selber nach Einsiedeln und bat für seinen Bruder, der noch in Russland weilte, aber auch, wie er, katholisch werden wollte - um eine Unterstützung. Der eine dieser Söhne, selber Priester und Pfarrer in London geworden, sandte später den nachmaligen P. Beda 0' Connor als Knabe nach Einsiedeln, damit er hier erzogen und Mönch würde und so das Vergehen seines Vaters sühne461.
460a Jauch hielt sich bei Johann Kaspar Lavater auf, der allerdings Pfarrer am St. Peter und nicht Antistes war. Das Amt des Antistes übte Johann Jakob Hess aus.
Freundliche Mitteilung von Conrad Ulrich, Lavaterstiftung Zürich (10.5.2007)
P. Aloys wirkte vom 25. Oktober 1774 bis zum 6. Oktober 1781 als Lehrer in Bellenz. Daheim war er Professor für Philosophie und seit dem 1. Juli 1783 Fraterinstruktor für P. Robert. Im März 1791 hielt er Exerzitien in Seedorf. 1791, im August, gab er vor, dass ein frommer, unweit Bregenz gebürtiger Mann ihn ersucht, ihm bei Errichtung einer religiösen Genossenschaft an die Hand zu gehen; Rom resp. der Nuntius sei davon bereits unterrichtet, man möchte ihn zu letzterem gehen lassen. Abt Beat erlaubte ihm eine Wallfahrt nach Sachseln; auf dem Wege könne er dann den Nuntius sprechen. Wirklich erhielt er vom Nuntius einen Brief an den Abt, dieser möchte P. Aloys mit einem Begleiter nach Rom gehen lassen. Der Abt und die Obern beschlossen, den weitern Gang der Dinge abzuwarten, ehe sie ihn ziehen liessen. Am 17. Oktober 1791 kam dann P. Aloys für P. Kolumban als Beichtiger nach Fahr. Von dort kamen 1792 Klagen, dass er Neuerungen einführe und sich durch «sein einbilderisches frommes Temperament» zu weit führen lasse. Er fand besonders Anhang unter den jüngern Schwestern und zerfiel mit den ältern Klosterfrauen und dem Propst. Deswegen und auch wegen schwächlicher Gesundheit kam P. Aloys 1792 wieder nach Bellenz, wo er bis im Mai 1794 blieb. Dann kehrte er heim und wurde am 17. November 1794 für P. Magnus Pfarrer von Eschenz. Hier fing P. Aloys allmählich an, häretische Lehren von der Kanzel zu verkünden, häretische Bücher zu verbreiten und einzelne Gläubige zum Abfall von der Kirche zu bewegen. Als Klagen beim Abte einliefen und P. Aloys davon erfuhr, verliess er Eschenz, ging zunächst nach Stein, dann nach Schaffhausen und schliesslich nach Zürich. Als man im Kloster von seiner Flucht hörte, sandte der Abt sogleich den Subprior, P. Fintan Steinegger, am 26. Februar 1797 nach Eschenz, um den Verirrten heimzuholen. Dieser konnte aber am 1. März nur heimberichten, dass P. Aloys fort sei, wovon P. Dekan dem Kapitel Mitteilung machte. Am 4. März kam P. Subprior heim, ohne P. Aloys gefunden zu haben. Dafür langte gleichen Tags ein Schreiben des Antistes Lavater
Freundliche Mitteilung von Conrad Ulrich, Lavaterstiftung Zürich (10.5.2007)
Schriften
P. Aloys Jauch stellte mit P. Otmar Ruepp und P. Philipp Borsinger die Wundersammlung ab dem Jahr 1780 zusammen (KAE, A.SE-08.6).
Quellen Professbuch
- Röllin, Stefan. Pfarrer Karl Joseph Ringld. Ein Beitrag zur Geschichte des Reformkaholizismus und der Ökumene im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. (Der Geschichtsfreund 137, 1984).
- Schiel, Hubert. Johann Michael Sailer. Leben und Briefe. Dargestelt von Hubert Schiel. Regensburg, Gregorius-Verlag vormals Pustet, Einsiedeln 1948.
- Schiel, Hubert. Johann Michael Sailer. Leben und Briefe. Dargestelt von Hubert Schiel. Regensburg, Gregorius-Verlag vormals Pustet, Einsiedeln 1948.