P. Basilius (Benedikt Josef) Meyer von Baldegg aus Luzern


Lebensdaten
Geboren 1668, Profess 1685, Gestorben 1704

Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
7. Professen unter Abt Augustin II. Reding 1670-92., Nr. 52
Professbuchnr.
244

Professdatum
1685

Professbuchtext
P. Basilius (Benedikt Josef) Meyer von Baldegg aus Luzern. Geboren den 27. Oktober 1668 als Sohn des Franz Karl Meyer und der Elisabeth Dürler. Als Erbe erhielt er 500 fl. Profess 18. März 1685. Priester 28. Oktober, Primiz 4. November 1691. Bei der Primiz war Kantor Dürler von Beromünster sein Assistens, «welches nit iedermann gern gesehen aus nit wenig vernünftigen Ursachen». Sein geistlicher Vater war Herr General-Rezeptor von Roll, geistliche Mutter die Gnädige Frau von Hermetschwil, «Sachen die dermahlen aus Gnaden zugelassen worden, sonsten bis dato nit bräuchlich gewesen, und iüngst under jetzmahligen Fürsten Regierung gäntzlich abgestreckt und verbotten»288.
P. Basil tat sich schon als Frater in der Dichtkunst hervor. Zum 10. Februar 1687 heisst es: «Haben unsere Fratres nach Mittag ein kurtz Recreation-Actiönlin gehalten, darby sich alle unsere Herren sowohl in Conventu als zu Hoof neben nit wenigen Bedienten eingefunden, spihlte die Närrische Begird hoch und angesehen zu seyn, durch einen sogenannten Stilponem mit underschiedlichen kurtzweiligen Scenis. Der Componist oder Poet ist gewesen Fr. Basilius Meyer, ein junger Frater, den Gott segne, das er in allem Gueten zunemme»289. Am 8. Juli 1687 unternahm er mit drei Gefährten jene Sihltalfahrt, die er in lateinischen Versen besungen (s. u.) Den 11. Juli 1695 war er in Freienbach bei der Primiz des Georg Walder. Im August dieses Jahres begann er mit der Wiederherstellung des Blumengartens (Viridarium). Mit andern wurde er den 29. August 1695 für den drohenden Krieg zum Feldgeistlichen ernannt. Den 8. Dezember 1695 ging er nach Baldegg, um am St. Jodocustage «in seines Bruders Hoof Capell zu predigen». Als er am 16. heimkehrte, brachte er eine «schöne, grosse lebendige Schiltkrodt, welche vielleicht manchen Spass würde verursacht haben, allein ist sie in wenig Tagen wegen frischem Luft ausgangen, dann diese Thier sein Leben nur in morastigem und halbfaulen Wasser aushalten»290. Den 10. Februar 1698 erlaubte ihm der Abt, dass er während dem Mittagessen am Fastnachtmontag «ein kurtzes recreation actiönlin» aufführen dürfe. «Er exhibierte ein gantz ingenios Fastnacht Spihl von dem Baccho, kleidete alles dermassen wohl und in die Fastnacht gerichtet, das auch das einzige Ansehen der Posturen die grösste Recreation gemacht. Under anderm stellte er auch vor 2 grosse Stifel nur von Papyr formiret, darinnen 2 kleine Knaben verborgen waren, die kamen hervor und machten ein gantz artlichen Danz, ohne dass man sehen können, was darinnen, oder was ihnen das Leben gab. Mit einem Wort ist eine gantz artliche Recreation derby gewesen, und zwar alles mit grosser Vernunft und ingeniosität»291. Den 27. Juni 1699 kam er als Lehrer der Rhetorik weg, um was er inständig gebeten; dafür sollte er den Fratres in der Predigtkunst Unterricht erteilen. Er selber predigte den 6. Juli 1699 den Rapperswilern anlässlich ihrer Wallfahrt über den Text: «Simile est regnum coelorum sagenae missae in mari et ex omni genere piscium congreganti». Er verglich die Pilger mit den kleinen Fischlein oder Hürlingen, worüber nicht alle erbaut waren; doch wusste er alles wohl zu drehen und zu wenden. Am 15. Februar 1700 half er den Einsiedlern bei der Aufführung eines Theaters vor dem Kloster, die Decollatio S. Joannis Bapt. darstellend, das «vor villen Jahren Mathias Wikardt, gewester Schuelmeister und Gilgen Wyhrt zubereitet und componirt hatte. Seine Söhne, Johann, jetziger Gilgen Wyhrt und Augustin, jetziger Schuelmeister», zogen das Stück zu Ehren und baten P. Basil, ihnen bei der Aufführung behilflich zu sein. P. Statthalter richtete die Bühne, die PP. Ignaz und Konrad halfen ebenfalls mit und P. Johann Baptist besorgte mit P. Sebastian die Musik. Um schönes Wetter zu haben, liessen die Spieler eigens am Morgen des Aufführungstages um 5 Uhr in der St. Mauritzen Kirche und auf dem Brüel eine hl. Messe halten. Die Aufführung dauerte von 11 bis 4 Uhr und hatte einen sehr guten Erfolg. Es kam viel Volk von Rapperswil, Lachen, Richterswil und fast ganz Einsiedeln. Auch der Abt und Konvent sahen zu. Die Spielleute wurden auf den 22. Februar zu einem Schmaus ins Kloster geladen292. Den 30. März 1700 kam P. Basil nach Bellenz, nachdem er bis dahin Präses der Rosenkranzbruderschaft gewesen war. Er sollte in Bellenz Italienisch lernen. Dort starb er den 27. April 1704 an einem Blutschlag, erst 36 Jahre alt, «magni ingenii Pater».
«War nun diser gute und gewaltige Pater bei alldortigen Einwohnern so wohl geist- als weltlichen, weib- und Mannspersohnen, reichen und armen, Jungen und Alten für ein grossen reuwen hinderlassen, haben unsere Patres alldorten in ihrem Schreiben nit genugsam entwerfen können. Dessen Lebenswandel betreffend war er überaus affabel, eines freudigen Gemüts, in seinem Thun und Lassen gantz angenemb, in Studiis versirt und besonders in Rhetorica et Poesi und ware gleichsam also zu reden Poeta natus, ward vor einigen Jahren nacher Disentis gesant umb alldorten die Püntner Sprach pro Confessionali nostro zu erlernen, in dero er in kurtzer Zeit so vill proficirt, dass er selbst eine fundamental Grammatica für selbe Sprach komlicher zu lehren componirt, da man bis dahin nach niemahls eine solche am Daglicht gesehen und remonstrierte hindurch dass diese bis dahin ohnregulierte Sprach auch mit und durch gute und ohnfehlbare Regeln könne erlerntet werden. Sodann hat er allbereit die Italienische Sprach innert 2 Jahren, da er zu Bellentz war, dergestalten ergriffen, dass wo er das Leben gehabt hette, er nächst künftige Fasten das Quaresimale alldorten in selbiger Sprach halten sollte, wie dann er ein gantz guter Prediger gewesen; er hat auch in seinen iungen Jahren etwan manche schöne Comoedi exhibirt, hat allbereit die Humaniora studia profitiert, ware Vicepraeses S. Rosarii und dermahlen operarius animarum zu Bellentz; wäre mit der Zeit in allwegen zu brauchen gewesen und unserm Gottshaus wohl angestanden, allein nimbt Gott nach seinem Willen, was ihme gefeilig»293.
Schriften
Schriften:
a) Gedruckte:
Lateinisches Gedicht - 116 Verse mit Anmerkungen. Gedruckt in J. C. Fäsis Bibliothek der schweizerischen Erdkunde. Zürich 1797. Bd. 1, Anhang, Seite 287-302, mit vorgehender kurzer Biographie P. Basil Meyers. A. RC 41. Höchst wahrscheinlich von P. Michael Dossenbach eingesendet (in L 581).
b) Ungedruckte:
1. Oeconomia monastica (hominis religiosi) seu antiquarium monasticum, à Rdo Dno P. Calmet Magnopere commendatum est hoc opus in suo Diario helvetico (gedr. zu Einsiedeln 1756, S. 52) typisque dignum existimatum. Vide Symian A. NB 1. Fol. 121. XXVII. n. 9. A. GB 6. S.313.
2. Die rhätoromanische Grammatik, die aber verloren ist.
3. Gedicht in 527 lateinischen Hexametern über eine Bergreise nach dem Diethelm (Sihltal) und seiner fürchterlichen Höhle, am 8. Juli 1687, verfaßt von Frater Basilius Meyer de Baldegg. Original im Archiv. Kopien in Mscr. 1212 (1071); 1210 (796); 1211 (795); 1229 (800).
4. Miscellanea poetica et rhetorica 1683-90.
Partim ex variis conscripta, plurima tarnen conscripta et hic inserta a Fr. Benedicto Meyer Lucernensi, Novitio et Rhetorices studioso Einsidlae anno 1683. Nunc vero plurimis propriis compositionibus tarn poeticis quam rhetoricas aucta per me dictum post Professionem Fr. Basilium Meyer a Baldegg Lucernensem anno 1686. 8 °. 76 S. Mscr. 780 (1034).
5. Verschiedene Comoedien, deren Witz gerühmt wird und welche P. Sales Ochsner nachahmte, z. B. auf den 10. Februar 1698. (Dietrich Diarium.) Sämtliche verloren.
Symian A. GB 6. S.313 sagt: «Comico-tragica scripsit, exhibuitque, exhibitione spectatoribus praecipue ex nostris praecipue atque imitatorem in Comicis drammaticis habuit R.P. Salesium Ochsner..