Br. Bernhard (Karl) Uttiger von Zug
Lebensdaten
Profess 1677, Gestorben 1694
Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
7. Professen unter Abt Augustin II. Reding 1670-92., Nr. 18
Professbuchnr.
210
Professdatum
1677
Professbuchtext
Br. Bernhard (Karl) Uttiger von Zug. Er war der Sohn des Martin Uttiger, Pflegers und des Gerichts zu Zug. Profess 17. Januar 1677. Als Erbe erhielt er 450 fl. zugesichert. Von Beruf war er Müller und Bäcker, doch wurde er im Stift zunächst den 5. Juni 1678 als Hofkellerbruder beschäftigt. Den 22. Januar 1680 sandte man ihn nach St. Gerold. Dort fing er an, sich absonderlich aufzuführen, wollte nicht mehr beichten und kommunizieren. Man wusste anfangs gar nicht woran man mit ihm war. Im August 1680 musste er heimkehren. Hier sprach man ihm zunächst zu, liess ihn dann Malefizwasser trinken und segnete die Speisen, weil man vermutete, er habe einen «Spiritum mutuum». Als dies nichts fruchtete, sperrte man ihn ein und liess dann durch den Arzt zu Ader, bis er ohnmächtig wurde. «Es vermochte aber dis und anders mehr nit, als dass er hernach beständig im Bett lage, aussert dem Essens Zeit, schlafe oder sonsten die Zeit mit schlentgen zubrachte. Zum Essen liess er sich fleissig einfinden, und war im übrigen lustig und freuwdig». Der Abt liess ihm nun Sauerbrunnen geben, «ob vielleicht durch dies etwan möchte ein Anzeig geschehen, wo seine Krankheit ligte. Es half aber auch dies so vil, als vorhergehende Mittel. Der Wein geschmückte ihme gar nit, sondern nur das Wasser, dessen er ordinarie 6 bis 8 Convent Dischbecher gantz eyfrig ausgetrunken. Das Brodt war ihme auch nit lieb, anderst es were frisch angeschnitten und müesste er alle Esin ein halb Convent Brodt, sonsten eine Portion für Zwey haben». Schliesslich empfahl man ihn der Barmherzigkeit Gottes und Marias238. Anfangs Oktober 1680 verlautete, dass er «im Kopf gantz verwirret were». Man sperrte ihn ein, da riss er den Zimmerofen nieder und konnte so sich frei machen. Man musste ihn darum anketten. «Seine Liegerstatt hatte er bisweilen im Refectorio, bald im Chor, bald anderswo, nur auf Stuhl und Benken. Sein Speiss war trocken Brodt, sein Trunk das Wasser, welche beide er in grossen Qunatitäten gantz eyfrig zu sich nahme, und liesse sich von Jemand hierin in einigem anders leiten»239. Im November 1681 heisst es von ihm, dass er «gantz unütz sei, aber Speis und Trank so viel man ihm gab, nahm und dabei fast Tag und Nacht im Bette lag»240. Dann hörte man wenig mehr von ihm. Am 23. August 1689 überfielen ihn bei Tisch die «Kinderwehen», doch erholte er sich rasch wieder; den 2. Januar 1691 verführte er in der Nacht ein grosses Geschrei, so dass viele darüber erschracken. Am 11. Mai 1694 wurde er von seinen Leiden erlöst. «Er bildete sich ein, er müsse eine vorneme Dame heuraten, weswegen er mehrmahlen zu Ihren Fürstl. Gn. gekehret, seines so langen Aufhaltens beklaget, kostliche Kleider erfordert und sonderbar einen goldenen Hosen-Knopf haben wollen, sich auszurüsten etc. Mehr dergleichen Händel hatte er. Vast unaufhörlich hatte er in seinem Mund einen küpfernen Münz Pfennig, Schilling oder Halbbatzen, den man vill Zeit nit mochte von ihme erpressen, und so man ernstlich an ihme gesagt, hatte er den im Mund verstecken können, das er auch by aufgesperrtem Mund nit mögen gesehen werden. Man brauchte allerhand geistliche und leibliche Medizinen, ihne zurecht zu bringen, aber alles vergeblich. Man liess ihn auch ein und andermahl mit Ruethen streichen, in Hoffnung durch solche Mittel ihme die Narredey zu vertreiben, welches ein sehr starker Convers Bruder verrichtete, aber alles vergebens. Mithin ist er ankommen, dass, so nur ihme etwas verdriessliches zugeredt, er gantz ergrimmet, und die Lust angefallen, gleichwohl niemand geschädigt. Essen und trinken möchte er ganz wohl, und merkte man hierin wohl, das er am Magen kein anderen Mangel hette, bis erst gegen die Letzte, da ihme auch der Appetit vergangen». Er wurde bis zum Tode eingesperrt gehalten241.