P. Gallus (Franz Ludwig) Göldlin von Tiefenau
Lebensdaten
Geboren 1656, Profess 1673, Gestorben 1734
Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
7. Professen unter Abt Augustin II. Reding 1670-92., Nr. 11
Professbuchnr.
203
Professdatum
1673
Professbuchtext
P. Gallus (Franz Ludwig) Göldlin von Tiefenau aus Rapperswil. Geboren 1656. Profess 21. November 1673. Priester 25. November, Primiz 1. Dezember 1680. Da auf die Primiz die Monatsprozession fiel, wurde sie gehalten und zwar «nit innerhalb der Kirchen, sondern ausserhalb dem Gottshaus, auf dem Brüel, welches, so lang ich weiss, und auch die ehesten Patres entsinnen wüssen, in diesem Monat nie geschehen. Man gienge vor der Brüel Porten durch einen zimmlichen Umbschweif herumb zu den Cappellen des H. Creutzes, by welcher die Station gehalten und underzwüschen ein zierlich Gesätzlin von zwey abwechselnden Discontisten, deren der einte die Mutter Gottes, der andre den H. Ertz-Engel Gabriel repraesentirte, gesungen, und also das Geheimnus des Englischen Gruesses vorgestellt worden, mit darauff folgendem Collecta, von Herrn Primitianten gesungen, und wart hernach der Eingang widerumb durch einen geringen Circul in das Kloster, und endtlich die Solemnitet mit heroischem Orgelschlag und Trompetten Klang geendet»228. Primizprediger war der Bruder des Primizianten, Pater Karl in Kreuzlingen.
Den 2. Juli 1681 verreiste P. Gallus zu den Seinen nach Neu-Güttingen, um sie über den Verlust des Vaters zu trösten und Mutter und Kinder miteinander auszusöhnen. Er kam erst den 24. August wieder zurück. Für P. Hieronymus wurde er den 12. September 1681 Vizekustos. Den 20. Juli 1682 predigte er in Fischingen und am 27. Dezember 1682 begleitete er P. Athanas zu Verhandlungen mit Buchdrucker Hautt in Konstanz. Möglicherweise war er damals, sicher aber 1683, wenn auch nur kurz, Direktor der Druckerei. Den 27. Juni 1683 wurde er Statthalter in Pfäfers, kehrte aber schon am 13. November d. J. wieder zurück, um am 30. November nach St. Gerold zu gehen. Dort blieb er bis zum 27. Juni 1685. Den 5. Dezember 1686 ging er nach Rheinau zur Profess seines Bruders, P. Wolfen. Im Januar 1687 wurde er Exorzist. Den 9. Juni 1688 ging er auf eine Wallfahrt nach Sachseln und am 3. Oktober als Prediger nach Arth. Vom 22. Januar bis 1. Februar 1690 weilte er in Familienangelegenheiten in Rheinau. Den 6. April 1690 verehrte Baron Zwyer von Kaiserstuhl Abt Augustin ein Hirschkalb, das ganz zahm war, mit der Bitte, ihm P. Gall zu senden, damit dieser «seiner Frau Gemahlin, die an einer Brust durch ein scharpfen Krebs erschröcklich zernagt worden, möchte zu einer glücklichen Genesung helfen», wie Dietrich schreibt229. Mit P. Thietland ging er den 22. Juni 1691 zur Primiz seines Bruders in Rheinau; denn P. Thietlands Bruder hatte eine Schwester P. Galls zur Ehe. Den 5. Oktober 1691 ging er nach Schwyz, um für seinen Bruder Hans Caspar zu Neu-Güttingen das Landrecht zu erneuern. Als dieser Bruder im Kloster Münsterlingen als Sekretär eingesetzt wurde, ging P. Gall den 16. November 1691 dorthin. Da die Klosterfrauen damit nicht einverstanden waren, entspann sich daraus der langwierige Münsterlinger Handel, der Abt Augustin so viel Sorgen bereitete. Dieser Bruder war übrigens im folgenden Jahre in Neu-Güttingen auf den Tod krank; P. Gall besuchte ihn den 15. Mai. Den 31. Mai musste er nach Lachen und Altendorf, wo Kranke ihn verlangten. Mit Abt Raphael ging er den 1. Mai 1695 zur Grundsteinlegung der neuen Kirche in Seedorf. Den 19. Juli d. J. verlegte er sein «Laboratorium» vom Badhaus in die Nähe der Pforte, offenbar weil er viel in Anspruch genommen wurde. Am folgenden 29. August ernannte ihn der Abt zum Feldgeistlichen für den damals drohenden Krieg. Er war seit dem 18. Mai 1695 auch Exorzist, musste aber den 15. Mai 1696 nach St. Gerold, wohin er «mit viler armen Leuten grosser Betrübnis abgereist, dann er gegen denselben gantz gutherzig, freygebig, milt und gütig sich ierderweilen erzeigt und erwiesen. Er hat sich schon etliche Jahr in der Chyniia stark gebraucht, allerhand köstliche Medicinas chymicas zugerüstet, darinn er sich Tag und Nacht unermüdet occupirt und brauchen lassen, die er auch meistens gratis ausspendirt, zwar villmahlen Leut angetrofen, die ihm ansehnliche Honoraria mitgetheilet, wormit er allerhand kostliche Brenn- oder Distillier Instrumenta erkaufft, und ein solch Laboratorium ausgerüstet, das man nit bald in einiger Apotheca dergleichen zu finden hette. Er hatte auch vill Correpondenz mit unterschidlichen Medicis und Chyrurgis, die ihme ihre Secreta, die sie sonsten anderen umb kein Gelt communicirt betten, willig geoffenbaret, auch darmit so bekannt worden, dass man von Ihme aller Orten zu reden gehabt, und er nit allein grossen Zulauf, sondern auch grosses Vertrauwen bey den Leuten gewonnen. Ob nun sein Sucessor, H. P. Greorgius, auch so glückseelig seyn werde, stehet zu erwarten, wenigstens hat er ein Laboratorium angetroffen (welches R. P. Gallus aus einem unlustigen Carcere by St. Johann im Creutzgang accomodieren lassen), welches mit allerhand Chymicis sowohl medicinis als auch Instrumentis versehen, dass, wann er seinen H. Vorfahren in seine Fusstapfen nachtreten will, nit weniger guten Willen ihme selber wirdt machen»230. P. Gall sagte übrigens vorher, er werde nicht länger als ein halbes Jahr in St. Gerold bleiben müssen. Wirklich kehrte er den 15. Oktober des gleichen Jahres wieder zurück. Er nahm jedenfalls seine gewohnte Tätigkeit wieder auf. Im Oktober 1697 unternahm er mit P. Basil eine Ferienreise, die ihn über Fahr, Rheinau, Freudenfels nach Konstanz und von dort nach Kreuzlingen, Sonnenberg, Frauenfeld und Fischingen führte. Seit Jahren hatte er am Halse, beim rechten Ohr, ein hühnereigrosses Gewächs. Er berief darum den 18. April 1698 einen «wohl erfahrenen Balbierer» und liess sich schneiden. Doch verschlimmerte sich die Sache sehr, indem sich am 26. April Blutungen einstellten. Den 6. September 1699 begleitete er den Abt von Kreuzlingen, der in Einsiedeln gewesen war, dorthin zurück und blieb daselbst bis zum 20. September. Am 25. November 1699 kam der Komtur von Roll, um sich von P. Gall heilen zu lassen, da er vor etlichen Jahren ein «Philtrum» erhalten hatte. P. Gall behandelte ihn sowohl in Einsiedeln als auch vom 12. April bis 3. Mai 1700 in Solothurn. Er kehrte mit guten Zeugnissen zurück. Den 25. Januar 1701 bemühte er sich besonders um eine für St. Katharinenthal gestiftete Kopie des Gnadenbildes, für die er ein Kleid aus der Sakristei verschaffte. Seit November 1705 war er Pfarrer in Eschenz, von wo er den 31. Dezember 1706 abberufen wurde. Daheim wurde er Beichtiger für die Au und den 4. Februar 1707 für das Konvent. Im Januar 1709 wurde er Kustos, aber schon im November wiederum Beichtiger für die Au. 1711 wurde er Beichtiger in Fahr und spätestens seit 1714 war er daselbst Propst. 1725 kam er als Propst nach St. Gerold, wo er bis 1731 wirkte. Er starb im Stifte als Senior den 8. Januar 1734 im Alter von 78 Jahren231.
Den 2. Juli 1681 verreiste P. Gallus zu den Seinen nach Neu-Güttingen, um sie über den Verlust des Vaters zu trösten und Mutter und Kinder miteinander auszusöhnen. Er kam erst den 24. August wieder zurück. Für P. Hieronymus wurde er den 12. September 1681 Vizekustos. Den 20. Juli 1682 predigte er in Fischingen und am 27. Dezember 1682 begleitete er P. Athanas zu Verhandlungen mit Buchdrucker Hautt in Konstanz. Möglicherweise war er damals, sicher aber 1683, wenn auch nur kurz, Direktor der Druckerei. Den 27. Juni 1683 wurde er Statthalter in Pfäfers, kehrte aber schon am 13. November d. J. wieder zurück, um am 30. November nach St. Gerold zu gehen. Dort blieb er bis zum 27. Juni 1685. Den 5. Dezember 1686 ging er nach Rheinau zur Profess seines Bruders, P. Wolfen. Im Januar 1687 wurde er Exorzist. Den 9. Juni 1688 ging er auf eine Wallfahrt nach Sachseln und am 3. Oktober als Prediger nach Arth. Vom 22. Januar bis 1. Februar 1690 weilte er in Familienangelegenheiten in Rheinau. Den 6. April 1690 verehrte Baron Zwyer von Kaiserstuhl Abt Augustin ein Hirschkalb, das ganz zahm war, mit der Bitte, ihm P. Gall zu senden, damit dieser «seiner Frau Gemahlin, die an einer Brust durch ein scharpfen Krebs erschröcklich zernagt worden, möchte zu einer glücklichen Genesung helfen», wie Dietrich schreibt229. Mit P. Thietland ging er den 22. Juni 1691 zur Primiz seines Bruders in Rheinau; denn P. Thietlands Bruder hatte eine Schwester P. Galls zur Ehe. Den 5. Oktober 1691 ging er nach Schwyz, um für seinen Bruder Hans Caspar zu Neu-Güttingen das Landrecht zu erneuern. Als dieser Bruder im Kloster Münsterlingen als Sekretär eingesetzt wurde, ging P. Gall den 16. November 1691 dorthin. Da die Klosterfrauen damit nicht einverstanden waren, entspann sich daraus der langwierige Münsterlinger Handel, der Abt Augustin so viel Sorgen bereitete. Dieser Bruder war übrigens im folgenden Jahre in Neu-Güttingen auf den Tod krank; P. Gall besuchte ihn den 15. Mai. Den 31. Mai musste er nach Lachen und Altendorf, wo Kranke ihn verlangten. Mit Abt Raphael ging er den 1. Mai 1695 zur Grundsteinlegung der neuen Kirche in Seedorf. Den 19. Juli d. J. verlegte er sein «Laboratorium» vom Badhaus in die Nähe der Pforte, offenbar weil er viel in Anspruch genommen wurde. Am folgenden 29. August ernannte ihn der Abt zum Feldgeistlichen für den damals drohenden Krieg. Er war seit dem 18. Mai 1695 auch Exorzist, musste aber den 15. Mai 1696 nach St. Gerold, wohin er «mit viler armen Leuten grosser Betrübnis abgereist, dann er gegen denselben gantz gutherzig, freygebig, milt und gütig sich ierderweilen erzeigt und erwiesen. Er hat sich schon etliche Jahr in der Chyniia stark gebraucht, allerhand köstliche Medicinas chymicas zugerüstet, darinn er sich Tag und Nacht unermüdet occupirt und brauchen lassen, die er auch meistens gratis ausspendirt, zwar villmahlen Leut angetrofen, die ihm ansehnliche Honoraria mitgetheilet, wormit er allerhand kostliche Brenn- oder Distillier Instrumenta erkaufft, und ein solch Laboratorium ausgerüstet, das man nit bald in einiger Apotheca dergleichen zu finden hette. Er hatte auch vill Correpondenz mit unterschidlichen Medicis und Chyrurgis, die ihme ihre Secreta, die sie sonsten anderen umb kein Gelt communicirt betten, willig geoffenbaret, auch darmit so bekannt worden, dass man von Ihme aller Orten zu reden gehabt, und er nit allein grossen Zulauf, sondern auch grosses Vertrauwen bey den Leuten gewonnen. Ob nun sein Sucessor, H. P. Greorgius, auch so glückseelig seyn werde, stehet zu erwarten, wenigstens hat er ein Laboratorium angetroffen (welches R. P. Gallus aus einem unlustigen Carcere by St. Johann im Creutzgang accomodieren lassen), welches mit allerhand Chymicis sowohl medicinis als auch Instrumentis versehen, dass, wann er seinen H. Vorfahren in seine Fusstapfen nachtreten will, nit weniger guten Willen ihme selber wirdt machen»230. P. Gall sagte übrigens vorher, er werde nicht länger als ein halbes Jahr in St. Gerold bleiben müssen. Wirklich kehrte er den 15. Oktober des gleichen Jahres wieder zurück. Er nahm jedenfalls seine gewohnte Tätigkeit wieder auf. Im Oktober 1697 unternahm er mit P. Basil eine Ferienreise, die ihn über Fahr, Rheinau, Freudenfels nach Konstanz und von dort nach Kreuzlingen, Sonnenberg, Frauenfeld und Fischingen führte. Seit Jahren hatte er am Halse, beim rechten Ohr, ein hühnereigrosses Gewächs. Er berief darum den 18. April 1698 einen «wohl erfahrenen Balbierer» und liess sich schneiden. Doch verschlimmerte sich die Sache sehr, indem sich am 26. April Blutungen einstellten. Den 6. September 1699 begleitete er den Abt von Kreuzlingen, der in Einsiedeln gewesen war, dorthin zurück und blieb daselbst bis zum 20. September. Am 25. November 1699 kam der Komtur von Roll, um sich von P. Gall heilen zu lassen, da er vor etlichen Jahren ein «Philtrum» erhalten hatte. P. Gall behandelte ihn sowohl in Einsiedeln als auch vom 12. April bis 3. Mai 1700 in Solothurn. Er kehrte mit guten Zeugnissen zurück. Den 25. Januar 1701 bemühte er sich besonders um eine für St. Katharinenthal gestiftete Kopie des Gnadenbildes, für die er ein Kleid aus der Sakristei verschaffte. Seit November 1705 war er Pfarrer in Eschenz, von wo er den 31. Dezember 1706 abberufen wurde. Daheim wurde er Beichtiger für die Au und den 4. Februar 1707 für das Konvent. Im Januar 1709 wurde er Kustos, aber schon im November wiederum Beichtiger für die Au. 1711 wurde er Beichtiger in Fahr und spätestens seit 1714 war er daselbst Propst. 1725 kam er als Propst nach St. Gerold, wo er bis 1731 wirkte. Er starb im Stifte als Senior den 8. Januar 1734 im Alter von 78 Jahren231.