P. Petrus (Peter Wilhelm) Kälin von Einsiedeln


Lebensdaten
Geboren 1653, Profess 1673, Gestorben 1695

Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
7. Professen unter Abt Augustin II. Reding 1670-92., Nr. 8
Professbuchnr.
200

Professdatum
1673

Professbuchtext
P. Petrus (Peter Wilhelm) Kälin von Einsiedeln. Geboren 1653 als Sohn des Johann Kälin und der Margaretha Schädler. Profess 21. November 1673. Priester 13. März, Primiz 19. März 1677.
Da P. Peter schon am 4. September 1677 nach Zurzach auf die Messe ging, um dort Apothekerwaren und Küchenbedarf einzukaufen, hatte er vermutlich im Stifte sich mit diesen Dingen zu befassen. Wiederum ging er den 6. Juni 1681 mit Pater Rupert und den 14. Juni 1682 mit P. Josef auf diese Messe, um neuerdings als «Pharmacopola» Waren einzukaufen. Mit seinem Vater, Säckelmeister Kälin, ging er den 12. Mai 1682 nach Fahr, «umb Disposition zu machen, dass seine liebe Schwöster allda ad S. Ordinem möchte admittiert werden», was auch geschah, denn am 27. Mai 1684 konnte er zu ihrer Profess gehen223. Den 29. Mai 1682 wurde er Infirmar, musste aber selber vom 23. Juli bis 22. August das Bad Pfäfers aufsuchen. Am 26. September 1682 ging er nach St. Gallen zur Profess seines Vetters, P. Leodegar Kälin. Am 27. Juni 1683 erfolgte seine Ernennung zum Direktor der Stiftsdruckerei. Als solcher besuchte er in den folgenden Jahren regelmässig die Zurzacher Messe; den 29. März 1685 kaufte er in Zürich Waren ein; den 7. Juni 1686 ging er nach Rapperswil, um dort Papier zu kaufen. Zum 19. April 1686 berichtet Dietrich: «hat P. Peter schon vergangenes Jahr ettliche kleine Bilder sowohl von Kupferstich als freyer Hand von unser L. Fr. von Eyinsidlen und unsern Hl. Patronen machen lassen, dardurch nit allein der hl. Ohrt und forderist die Einsidl. Wunderthätige Mueter, sondern auch andere unsere Heylige mehr berüembt und bekanntworden»224. Vom 12. März bis 4. Mai 1687 war er auf der Frankfurter Messe, «dorten Ihro Fürsll. Gn. Theologiam zu distrahiren und andere Bücher, sowohl pro Bibliotheca als auch für den Verkauf einzuhandeln». Den 16. Mai 1687 kaufte er neuerdings in Rapperswil Papier ein und ging am 3. September nach Zurzach, für die Küche, Apotheke und Druckerei das Notwendige zu kaufen; ebenso wieder den 25. Juni und 5. September 1688. Am 9. November 1687 musste er nach Rheinau in «gewissen Geschäften». Den 23. November 1687 hatte er dem Bürgermeister Hirzel in Zürich 5000 fl. zu zahlen, die auf Sonnenberg lagen. Wiederum musste er den folgenden 29. November dorthin, um 300 spanische Doublonen in Gold für den pästlichen Nuntius aufzunehmen, da dieser als ausserordentlicher Gesandte des Papstes zum Reichstag nach Polen musste. Als am 13. März 1698 der Fürst von Sigmaringen kam und 14,000 fl. wollte, versprach man ihm, mit Rücksicht auf den hl. Meinrad, Bürgschaft zu leisten und P. Peter musste mit dem Fürsten nach Zürich, um dort Geld erhältlich zu machen. Den 7. Mai 1688 ging er nach St. Gallen zur Primiz seines Neffen P. Seraphim Kälin. Im Sommer 1689 erkrankte P. Peter schwer; wieder genesen, hielt er sich vom 30. August bis 10. September in Pfäffikon auf. Mit P. Ignaz ging er den 21. April 1692 zur Wahl der Äbtissin in Sarnen und von dort nach Engelberg. Gesundheitshalber musste er vom 28. Mai bis 4. Juli 1692 wieder nach Pfäffikon. Daneben versah er immer die gleichen Posten und ging alljährlich auf die Zurzacher Messe, um den nötigen Bedarf zu decken. Am 12. März 1695 erkrankte er schwer; zwei Tage später wurde er versehen. Man berief Dr. Hegner von Lachen, der aber jede Hoffnung aufgab. Wirklich starb P. Peter den 18. März 1695 und wurde vor dem Rosenkranzaltar begraben. «Medicus und Chyrurgus öffneten die Leiche und fanden zur rechten Seite ein gross Aposthema, so voll Eyter wäre, hatte die Lunge gantz übel versehrt, die Leberen wie ein Sand, die Nieren entzündet, das Herz auch mit einem Missgewächs behafftet, und mit einem Wort wenig gesundes, ussert einzig dem Magen by ihme gewesen, dass also ein Wunder gewesen, wie er so lang nur leben können . . . Sein sonstiger gantz frommer, unschuldiger und auferbauwlicher Wandel war also bestellt, dass by männigkliche ihme eine grosse Liebe und Ehr zugezogen. In spiritualibus Exercitiis war gantz embsig und fleissig, und uneracht seine Negotia immer und immer sehr gross gewesen, underliesse er doch niemahl das Geistliche. In Verwaltung der Ihme anbefohlenen Typographia et Pharmacapolij, deren letzteren er sich aus gewüssen vernünftigen und von der Oberkeit erkannten und approbirten Ursachen vast ein Jahr lang nit mehr beladen wollte, hat er mit solcher Dexteritet, Vernunft und iedermans Satisfaction versehen, das selbige in ihrer Substantz vast zugenommen, und zu solchem Wesen gebracht worden, in dergleichen sie by vorherigen Zeiten niemahlen gewesen. Underliesse nit darby denen Armen reiche (so vill S. Paupertas et Oboedientia zugaben) Allmusen mitzutheilen, massen nach seinem Absterben die Armen einen Teueren Vatter verlohren zu haben sich nit nur einmahl schmertzlich beklagten. In Correspondentiis mit Apothekeren, Materialisten, Buechhändlern, Papyrern wüsste er sich so artlich zu richten, dass alle eine Freuwd gehabt, mit Ihme zu handeln. In Erkauf- und Verkaufnung der Wahren brauchte er eine solche Bescheidenheit, das wer mit Ihme einmahl gehandlet, solches zu continuiren mit allen Kreften gesucht. Ware in seinen Handlungen endtlich so glücklich, das er sich underfangen mit Gn. Consens, ia Befelch Unsers Gn. Fürsten und Herren ein Benedictinisches Breviarium quadripartitum in 8° zu trucken, dessen er auch den Anfang gemacht, und dahin alle Anordnungen mit Papyr, Zynober, Farbe und was nur dartzu erforderet wirdt, fleissig und richtig vorbereitet, als das sein Successor, wannen nur er in seinen Fusstapfen embsig insistieren will, by selbigem ohne sonderlich Beschwerd fortzukommen hoffen kann.
Jedermann gab er, was ihme gehörte, und ist nit einer gehört worden, welcher sich eines Hallers Wert umb Ihne beklaget, mit einem Wort, es war R. P. Petrus ein frommer, gottseeliger, yfriger, embsiger Religios, im Gottesdienst, in observatione statutorum Regularium, Exercitiis spiritualibus, cura animarum und Conversatione ultra modum religiose amabili. Was massen als er auch im Werkh selbiges alles nit nur in sich, sondern auch andern gesuchet, anzuschaffen, erscheinet aus dem ,das er Cochemij Leben Christi, Officium B. V., das kleine Vade mecum, in offentlichen Truck und zwar auf sauberer manier gegeben, und in alle Welt mit gantz geringem Preys feil gegeben. Wie er die Jungfrau Muetter lieb gehabt, erhellet aus dem, dass er dero liebwert grosse und kleine Bildtnussen so vill mahlen mit nit geringem Gelt in Kupfer stechen und aller Welt zu verehren vorstellen wollen; dahin er ettlich Guldlin angewandt. So dann hatt er Unser Einsidl. Miracel Buoch so teutsch als französisch zu mehrmahlen wieder offentlich drucken lassen. Nun ich kann mich in seinen anderen Tugendten zu beschreiben nit lang aufhalten und sage einzig, dass R. P. Petrus gewesen embsig in allem guetten, gantz nüechter, gantz gedultig, gantz demütig, gantz milt, gantz liebreich, gantz andächtig im Gebett und Dienst Gottes, gantz eyferig im Seelenyfer, gantz still, gantz eingezogen, verbo, ein Exemplar der Tugendt deretwegen er ein grosses Reuwen hinderlassen»225.
Schriften
Schriften:
Historisch-theologischer Grundriß - von Herrn Casp. Lang, Pfarrer und Dekan in Frauenfeld, in dessen Auftrag P. Petrus Kälin den 2. Teil dieses Werkes vollendete und 1692, ein Jahr nach Lang's Tod, in Einsiedeln herausgab. Schon bei Ausarbeitung des 1. Teiles war ihm P.Petrus behilflich gewesen. Vide Kuhn, Thurgovia sacra 1869 I. S. 153.
Siehe auch die oben von Dietrich erwähnten Werke, die er in Druck gab.