P. Aemilian (Johann Georg) Müller von Wil
Lebensdaten
Geboren 1653, Profess 1669, Gestorben 1708
Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
6. Professen unter Abt Plazidus Reimann 1629-70., Nr. 83
Professbuchnr.
190
Professdatum
1669
Professbuchtext
P. Aemilian (Johann Georg) Müller von Wil. Geboren 1653 als Sohn des Stadtschreibers Hans Ludwig Müller, der im März 1692 starb. Profess 4. August 1669. Priester 13. März, Primiz 21. März 1677. Als Erbe erhielt er 1672 100 Dukaten.
P. Aemilian war bis zum 29. Oktober 1679 Vizebibliothekar, dann wurde er Lehrer der Humaniora und Rhetorik. Seit Ende März 1683 Vizekustos, wurde er den 3. März 1684 Cellerar. Am 19. April 1686 wurde er als Notarius miraculorum bestellt. Um diese Zeit war ihm auch der Konvertitenunterricht anvertraut. Vom 1. Dezember 1686 bis zum 6. November 1687 weilte er in St. Gerold. Nachher war er jedenfalls wieder an der Schule tätig. Den 12. November 1694 wurde er Kapitelssekretär, von welchem Amte er auf seine Bitten hin den 19. Dezember 1698 enthoben wurde. Mit P. Eustach ging er den 21. Januar 1695 nach Wettingen zur Benediktion des Abtes Basilius, da sie beide Vettern des Neugewählten waren. Den 8. Februar 1699 erkrankte er, der sonst «von sehr melancholischer und hypochondrischer Natur war». Zur Erholung wurde er darum vom 27. April bis 4. Juni und wiederum den 21. Juni bis 13. August nach Pfäffikon geschickt. Den 8. Dezember 1699 ging er nach Zürich zu Dr. Lavater. Den 16. April 1700 wurde er zum Konventbeichtvater bestimmt. Den 27. Mai 1701 musste er wieder zur Erholung fort und zwar diesmal nach Sonnenberg. Er starb den 17. Februar 1708. «Causa mortis credita nimius usus medicinarum,» berichten die Kapitelsakten201, «quibus exesa vasa sanguinea balsamum illus summae vitae continere debite amplius non potuerunt; talentis fuerat dotatus egregiis, praesertim pro literatura humaniori monasterio tarnen parum proficuis, quod melancholia quaedam perpetua et nimia pro Sanitati procuranda sollicitudo, denique timor etiam aliquis iudiciorum humanorum hominem retraherent. Vixit annos 55 et sub mortem totus diversus a Seipso incredibili in Dni voluntatem resignatione omnibus perfectissimae constantiae exemplum praebuit.» Und der Diarist bemerkt von ihm: «Dieser Herr war ein sehr belesener Mann besonders in alten Historiis auch in re ascetica und in dem Beichtstuhl wohl practicirt, docirte etwan auch die Humanität und scholas similes, eine Zeitlang versache er die Stell eines Secretarii Capituli und die Kellermeisterei in dem Convent. War auch in Musica vocali ein guter Bassista. Beinebendt aber war er von einigen Jahren her zimlich krankmüetiger oder gar eines melancholischen Humors, occupirte sich sehr vill in Lesung der medizinalischen Büecher, wodurch er aber anders nicht erholet als eine so starke imagination oder impression, dass wie wenige und geringe Alteration er gespürete, gleich in einbildete, er habe diese oder jene gefährliche Krankheit, die ihne ohnverweilt das Leben benehmen werde und dies so stark, dass er Öftermahls im übrigen sonst gantz gesunde, noch essen, noch trinkhen noch schlafen wollen, ihme einbildend, hierdurch das Leben lassen müesste, gab also den Medicis überaus vill zu schaffen und obschon selbe sich bemüheten, turn practice turn speculative ihme disere impression zue nemmen, so wollte er ihnen gleichwohlen niemals nachgeben, für sein argument disen oder jenen Authoren medicum in contra zitierend». In seiner Todeskrankheit schwand all diese Einbildung, er war ruhig und gefasst und bereitete sich sehr gut vor202. Symian203 bemerkt von ihm: «Monachus noster is erat, vir doctus, in grammaticis versatissimus, ut majoribus est traditum, rhetor etiam bonus». Über seine Beerdigung erfahren wir aus A. HB XIII, S. 95: «Nach vollendeter Prim umb 7 1/2 Uhr ist unser P. Aemilian p. m. oberhalb der hl. Capell zur Erden bestadtet worden; Den Leichnam holte man processionaliter wie gebräuchlich aus dem Creutzgang bei S. Joannes Capell ab, und ward gegen den Chor fürhin getragen, zwüschen S. Meinrad und dem hl. Creutzaltar nidergestellt und darauf für den Abgestorbenen Seel ad Aram S. Meinradi ein figuriertes Seelamt pro die tertia gesungen. Nach dessen Vollendung der Leichnam under gewohnten precibus und cantu wie vermelt begraben.» - Ein Bruder war P. Gall O. Cap.
P. Aemilian war bis zum 29. Oktober 1679 Vizebibliothekar, dann wurde er Lehrer der Humaniora und Rhetorik. Seit Ende März 1683 Vizekustos, wurde er den 3. März 1684 Cellerar. Am 19. April 1686 wurde er als Notarius miraculorum bestellt. Um diese Zeit war ihm auch der Konvertitenunterricht anvertraut. Vom 1. Dezember 1686 bis zum 6. November 1687 weilte er in St. Gerold. Nachher war er jedenfalls wieder an der Schule tätig. Den 12. November 1694 wurde er Kapitelssekretär, von welchem Amte er auf seine Bitten hin den 19. Dezember 1698 enthoben wurde. Mit P. Eustach ging er den 21. Januar 1695 nach Wettingen zur Benediktion des Abtes Basilius, da sie beide Vettern des Neugewählten waren. Den 8. Februar 1699 erkrankte er, der sonst «von sehr melancholischer und hypochondrischer Natur war». Zur Erholung wurde er darum vom 27. April bis 4. Juni und wiederum den 21. Juni bis 13. August nach Pfäffikon geschickt. Den 8. Dezember 1699 ging er nach Zürich zu Dr. Lavater. Den 16. April 1700 wurde er zum Konventbeichtvater bestimmt. Den 27. Mai 1701 musste er wieder zur Erholung fort und zwar diesmal nach Sonnenberg. Er starb den 17. Februar 1708. «Causa mortis credita nimius usus medicinarum,» berichten die Kapitelsakten201, «quibus exesa vasa sanguinea balsamum illus summae vitae continere debite amplius non potuerunt; talentis fuerat dotatus egregiis, praesertim pro literatura humaniori monasterio tarnen parum proficuis, quod melancholia quaedam perpetua et nimia pro Sanitati procuranda sollicitudo, denique timor etiam aliquis iudiciorum humanorum hominem retraherent. Vixit annos 55 et sub mortem totus diversus a Seipso incredibili in Dni voluntatem resignatione omnibus perfectissimae constantiae exemplum praebuit.» Und der Diarist bemerkt von ihm: «Dieser Herr war ein sehr belesener Mann besonders in alten Historiis auch in re ascetica und in dem Beichtstuhl wohl practicirt, docirte etwan auch die Humanität und scholas similes, eine Zeitlang versache er die Stell eines Secretarii Capituli und die Kellermeisterei in dem Convent. War auch in Musica vocali ein guter Bassista. Beinebendt aber war er von einigen Jahren her zimlich krankmüetiger oder gar eines melancholischen Humors, occupirte sich sehr vill in Lesung der medizinalischen Büecher, wodurch er aber anders nicht erholet als eine so starke imagination oder impression, dass wie wenige und geringe Alteration er gespürete, gleich in einbildete, er habe diese oder jene gefährliche Krankheit, die ihne ohnverweilt das Leben benehmen werde und dies so stark, dass er Öftermahls im übrigen sonst gantz gesunde, noch essen, noch trinkhen noch schlafen wollen, ihme einbildend, hierdurch das Leben lassen müesste, gab also den Medicis überaus vill zu schaffen und obschon selbe sich bemüheten, turn practice turn speculative ihme disere impression zue nemmen, so wollte er ihnen gleichwohlen niemals nachgeben, für sein argument disen oder jenen Authoren medicum in contra zitierend». In seiner Todeskrankheit schwand all diese Einbildung, er war ruhig und gefasst und bereitete sich sehr gut vor202. Symian203 bemerkt von ihm: «Monachus noster is erat, vir doctus, in grammaticis versatissimus, ut majoribus est traditum, rhetor etiam bonus». Über seine Beerdigung erfahren wir aus A. HB XIII, S. 95: «Nach vollendeter Prim umb 7 1/2 Uhr ist unser P. Aemilian p. m. oberhalb der hl. Capell zur Erden bestadtet worden; Den Leichnam holte man processionaliter wie gebräuchlich aus dem Creutzgang bei S. Joannes Capell ab, und ward gegen den Chor fürhin getragen, zwüschen S. Meinrad und dem hl. Creutzaltar nidergestellt und darauf für den Abgestorbenen Seel ad Aram S. Meinradi ein figuriertes Seelamt pro die tertia gesungen. Nach dessen Vollendung der Leichnam under gewohnten precibus und cantu wie vermelt begraben.» - Ein Bruder war P. Gall O. Cap.
Schriften
Schriften:
1. Amaltheum prosodicum cum quibusdam animadversionibus medicis etc. Mscr. 1024 (1021).
2. Acta capitularia 1694-98.
3. Georgius Müller, Wilensis, Novitius, schrieb die Handschrift Nr. 43 der Donaueschinger Bibliothek:
S. 1-42 und 59-60: Lateinische ars rhetorica.
S. 63-179: Lateinisch-deutsche Festspiele, 1667 und 1668 unter Abt Plazidus gehalten. (Siehe P. Gregor Hüsser.)
S. 181-183: Notae in universam rhetoricam.
S. 185-197: Deutsches Reimlexikon.
S. 215-377: Übungen in heroischen und lateinischen Gedichten.
S. 393-396: Index Epigrammatum.
(Papierhandschrift des XVII. Jahrh. in 2 °. 377 S.)
Dr. K. A. Barack, Die Handschriften der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek zu Donaueschingen (Thübingen 1865).
1. Amaltheum prosodicum cum quibusdam animadversionibus medicis etc. Mscr. 1024 (1021).
2. Acta capitularia 1694-98.
3. Georgius Müller, Wilensis, Novitius, schrieb die Handschrift Nr. 43 der Donaueschinger Bibliothek:
S. 1-42 und 59-60: Lateinische ars rhetorica.
S. 63-179: Lateinisch-deutsche Festspiele, 1667 und 1668 unter Abt Plazidus gehalten. (Siehe P. Gregor Hüsser.)
S. 181-183: Notae in universam rhetoricam.
S. 185-197: Deutsches Reimlexikon.
S. 215-377: Übungen in heroischen und lateinischen Gedichten.
S. 393-396: Index Epigrammatum.
(Papierhandschrift des XVII. Jahrh. in 2 °. 377 S.)
Dr. K. A. Barack, Die Handschriften der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek zu Donaueschingen (Thübingen 1865).