Br. Vinzenz (Vinzenz) Nussbaumer von Ägeri


Lebensdaten
Geboren 1644, Profess 1669, Gestorben 1697
Alternative Schreibweisen
Nussbaumer

Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
6. Professen unter Abt Plazidus Reimann 1629-70., Nr. 78
Professbuchnr.
185

Professdatum
1669

Professbuchtext
Br. Vinzenz (Vinzenz) Nussbaumer von Ägeri. Geboren den 3. Februar 1644 als Sohn des Christian Nussbaumer und der Maria Jakobea Zürcher im Waldschlag, Gemeinde Oberägeri. Profess 30. Mai 1669.
Br. Vinzenz war Schmied von Beruf und verfertigte von 1675 bis 1685 das kunstvolle grosse Chorgitter in der Stiftskirche. Den 6. Juli 1678 musste er das Bad Pfäfers aufsuchen und am 9. Mai 1681 ging er nach Muri, um sich von einem Bruchleiden heilen zu lassen. Wirklich konnte er den 16. Juli zurückkehren. Am 4. Januar 1681 ging er auf Bitten des Rates von Luzern dorthin, um im Hof die alten Glocken neu zu hängen. Ebenso musste er vom 10. Oktober bis 22. November 1687 in Zurzach die Glocken neu hängen. Im Dezember 1681 arbeitete er mit allen Gesellen auf Schloss Sonnenberg. Den 22. Juni 1688 suchte er wieder das Bad Pfäfers auf. Wegen Glocken musste er den 2. Januar 1691 nach Baden. Am 28. Juni 1692 ging er geschäftehalber nach Zürich, kehrte aber nicht mehr zurück, sondern teilte Bruder Josef Zuberbühler schriftlich mit, dass er wegen widerfahrenen Kränkungen nicht mehr ins Kloster zurückkehren wolle. In Zürich wandte er sich an den Bürgermeister Escher und an den Einsiedlischen Stiftsammann. Von da begab er sich nach Männedorf zum dortigen Stiftsammann Jakob Billeter, wo ihn der Dekan aufsuchte, dem es gelang, ihn zur Rückkehr zu bewegen. Alles schien wieder gut, als er schon am andern Morgen erneut nach Männedorf floh. Durch P. Bonaventura in Fahr liess man in Zürich die dort liegenden Sachen holen. Der Statthalter von Pfäffikon suchte Br. Vinzenz in Männedorf auf und suchte ihn zur Umkehr zu bewegen. Andern Tags kam auch P. Bonaventura dorthin (2. Juli). Aber auch seine Bemühungen waren vergebens. Da suchte P. Bonaventura den Abt auf, der zusicherte, dass der Bruder in irgend ein anderes Kloster gehen könne, wenn er wolle. P. Dekan und P. Bonaventura suchten nun nochmals den Verirrten in Männedorf auf. Aber dieser hatte sich beim Prädikanten verborgen, so dass die Beiden umsonst abziehen mussten. Andern Tags kamen sie aber nochmals, doch war Br. Vinzenz nach Zürich gegangen. Sie gingen nun dorthin und trafen ihn bei Bürgermeister Escher. Br. Vinzenz versicherte, dass er nicht vom Glauben abfallen wolle. Auf dies hin riet ihm Escher, da er ja nicht des Glaubens wegen nach Zürich seine Zuflucht nehme, wieder ins Kloster zurückzukehren. Wirklich kehrte nun Br. Vinzenz wieder heim, wo er zur Busse 10 Tage Exerzitien machen musste. Den 23. Oktober 1693 musste er gestraft werden, weil er, als er nach Ägeri ging, auch Zürich aufgesucht hatte. Da er sich nicht recht fügen wollte, sperrte man ihn ein, liess ihn aber am 14. November wieder frei. Er sollte aus der Schmiede entfernt und auf den letzten Platz bei den Brüdern gesetzt werden. Den 24. April 1694 entfloh er in der Frühe auf ein neues. Er ging zuerst nach Zürich, wo er das Ordenskleid ablegte, von einem Abfall vom Glauben aber nichts wissen wollte. Er entschloss sich, nach Ungarn zu ziehen. Er bettelte ungefähr 100 fl. zusammen. Er kam nach Wien, wo er bei den Schotten einige Glocken neu hängte. Als ihn Landsleute erkannten, ging er aus der Stadt nach Nussdorf zu einem Schlosser. Da er - übrigens schon im Kloster - an formalis lepra litt, fand er keine Arbeit mehr und gab sich als Augendoktor aus, wurde aber als Betrüger entlarvt und gestraft. Schliesslich kam er nach Ungarn, wo er, wie man Ende März 1697 vernahm, in Laureten bei Neustadt starb, «miseranda morte, caeteris in exemplum»196.