P. Christophorus von Schönau aus Säckingen


Lebensdaten
Geboren 1631, Profess 1647, Gestorben 1684

Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
6. Professen unter Abt Plazidus Reimann 1629-70., Nr. 32
Professbuchnr.
139

Professdatum
1647

Professbuchtext
P. Christophorus von Schönau aus Säckingen. Er war geboren den 8. Mai 1631 als Sohn des Otto Rudolf von Schönau und der Maria Salome von Rhyn. Profess 9. Juni 1647. Priester 22. Mai 1655. Als Erbe erhielt er 3000 fl.
Noch als Frater wurde P. Christophorus Gehilfe des Kustos, den 8. Mai 1654. Den 19. November 1655 wurde er auf Bitten des neuen Abtes von Disentis, Adalbert II. von Medell, diesem als Gehilfen zugewiesen; er war in Disentis Subprior. Doch schon am 8. April 1656 wurde er auf seine Bitten hin, gegen den Willen des Abtes, zurückberufen. Alsdann kam er kurze Zeit nach Gengenbach. Den 8. März 1659 wurde er dem Pfarrer P. Gabriel von Waldkirch als Gehilfe beigegeben. Daneben war er immer noch Vizekustos bis zum 13. Juli 1659, wo er für P. Justus Novizenmeister wurde. Kurze Zeit war er Subprior, ehe er den 30. Dezember 1664 auf Bitten des Bischofs von Konstanz und der Schwäbischen Ritterschaft als Subprior nach dem Stifte Kempten im Allgäu gesandt wurde. Abt Augustin ernannte ihn am 16. Januar 1671 zum Dekan, doch musste er ihn in Kempten belassen. Er selber wäre offenbar gerne heimgekehrt, denn am 16. November 1671 ersuchte er die in Wil versammelten Äbte, die sich über die Aufnahme Kemptens in die Kongregation berieten, ihn heimzuberufen. Aber er musste weiter ausharren, erst den 29. Juni 1678 konnte er als Dekan von Einsiedeln heimkehren. In der Folge verwandte ihn Abt Augustin viel zu auswärtigen Geschäften. So musste er 1680 nach dem Elsass, um den alten Besitz in Sierenz wieder an das Kloster zu bringen; er richtete aber nichts aus. Den 17. Mai 1681 sandte ihn der Abt nach Sonnenberg, um dort im Verein mit dem Stiftskanzler gewisse Geschäfte zu ordnen. Nach der Rückkehr von Pater Basil aus St. Gerold musste er den 26. Juni 1681 dorthin, um den Zustand der Propstei zu überprüfen. Im gleichen Jahre war er, den 23. August und wiederum den 3. November, als Visitator in Seedorf, ebenso wieder den 6. Oktober des folgenden Jahres. Den 14. Dezember 1681 musste er nach Pfäfers, um Unstimmigkeiten zwischen Dekan und Konvent beizulegen. Wegen Anständen in Nüziders hatte er sich am 9. März 1682 nach St. Gerold und Ende Mai nach Chur zu begeben. Mit Abt Augustin ging; er am 31. Mai 1682 nach Pfäfers, wo damals die Union in die Wege geleitet wurde. Den 22. Februar 1683 wurde er nach Schänis begehrt, kurz darauf, den 20. April, verlangte ihn der Abt von St. Gallen. Den 4. November 1683 und wiederum den 15. September 1684 visitierte er Seedorf, den 26. Februar 1684 Fahr. Am 13. März 1684 nahm er an der Abtwahl und am 28. April an der Abtsbenediktion in Muri teil. In Einsiedeln bemühte er sich vor allem um den Bau der St. Magdalenakapelle, die den Abschluss der Beichtkirche bilden sollte. Er konnte dort am 29. September 1684 die erste hl. Messe lesen und fand in ihr, nach seinem am 25. Oktober des gleichen Jahres erfolgten Tode, seine letzte Ruhestätte. Zu seinem Tode bemerkt P.Josef Dietrich:
«Ein Mann von so kostbaren Qualitäten, dass er würdig gnug were gewesen, zu höcherem Stand erhebt zu werden. Seine Krankheit war anfänglich eine febris tertiana, das aber sich in malignissimam geendet.» Und über seine Täligkeit, zunächst in Kempten, führt er aus: «Allhier (Kempten) ist unussprechlich, was für Verfolgungen, Unmuess, Vertruss und Arbeit er ausgestanden, weilen selbmahliger Kemptischer Fürst Romanus die Schweitzerische Reformation mit allen Vieren, wie man pflegt zu sagen, von sich getriben, und folgendts auch Promotores illius gantz und aufs äusserist verfolget. Nachdeme aber selbiger zu Rom gestorben, und Herr Cardinal von Baden selbiges Stiffts Abbtey bekommen, ist er wegen grossen seinen Qualitäten, Frombkeit und Eyfer von Ihne sehr beliebt worden, also dass er Ihne mit sich nacher Fulda, Cöln, Bonn und ander Orth genommen, seiner Räthe und Anschläge, in welchem er voraus tiefgründig war, bedient und sich so wohl derby befunden, das er sich auch anderwerts wegen eines solchen Herren vielfältig berüembt und deswegen Ihne in hochen und grossen Ehren gehalten. Durch Ihne hat das Fürstl. Stifft Kempten widerumb angefangen zu florieren, sowohl in Zeitlichem als geistlichem und zwar so wohl, das hernach under Ihme die Anzahl der Religiosen sich gemehret, woraus aber solche Leuthe erwachsen, dass selbiges Fürstl. Stifft widerumb von eigenen Leuthen gehabt, die selbige Inful zu tragen würdig gewesen; massendenn nach Absterben hochgedachten Herren Cardinalen von Baden, Rupertus, ein Adelicher von Bodmann, der in unserem Gottshaus studiert, vnd alle Fundamenta boni Religiosi durch unsern Herrn Decanum von Schönauw gehabt, zu derselben ist promovirt worden, also dass das Fürstl. Stifft Kempten alles das wenige Gut, was es nur dermahlen hat, disem unserm Herrn Decano zuschreiben muess. Nachdem aber ermelter Abbt Ruppertus zu Kempten zur Regierung kommen, und derby unser Herr Decan von Schönauw nunmehr gesehen, der Ohrt mit einem gedeylichen Haupt versehen sei, hat er von diesem demissionem begehrt und aber gar schwerlich erhalten, weilen er sich by männigklich, so wohl Geistals weltlichen sehr beliebt gemacht . Ist also zu unserm Gottshaus widerkehrt, vn uns allen mit höchster Freuwde und Gratulation empfangen und nit über lang zu der Ehrenstell eines Decans erhebt worden»117.
Das Amt eines Dekans verwaltete er nach Dietrich «mit solchem Fleiss, Eyffer der Disciplin und voraus tugendtvollem Exempel, dass man allerseits Ursach gehabt, by Ihme sich zu erspiegeln. In zeitlichen Geschäften, die er zwar lieber andern überlassen hette, wann nit die hl. Gehorsambe Ihne hette anderwerts hingewendet (wie er denn ad nutum gehorsambete), war er sehr glückselig vnd richtete fast alles zum besten Ende. In spiritualibus erzeigte er sich sehr eyffrig und war sonderlich ein Liebhaber der Disciplin. Für die Armen und Weisslin war er ein miltreicher Vatter, und reuwete ihn nichts, was er diesen zum besten thun könnte, massen er vielfältig Arme und Nothleidende in besseren Stand gesetzt und Ihnen mit allen Kräften beygesprungen». In seinen letzten Lebenszeiten hatte er eine schwere Prüfung durchzumachen, indem ihn eine Frau, der er nur Gutes getan, schwer verleumdete. Diese widerrief zwar auf dem Todbette, aber der Vorfall trug nicht wenig dazu bei, das Herz des guten Mannes zu brechen118.
Er wurde in der M. Magdalenenkapelle begraben, deren Bau und Ausschmückung («dass mänigklich bekennt, in gantz Europa eine so saubere Kirch nit gefunden werde,» wie Dietrich schreibt) sein Verdienst waren. - Eine Base war Äbtissin in Säckingen, ein Bruder Dompropst von Basel; die Mutter lebte noch, als er starb. Sein Schwager, Werner Kirchhofer, ist der durch Scheffel berühmt gewordene «Trompeter von Säckingen»119.
Quellen Professbuch
- Buschow Oechslin, Anja. Christoph Daniel Schencks Werke für die Ausschmückung der Einsiedler Neubauten 1674-1684. Register: P. Christophorus Schönau. In: Christoph Daniel Schenck 1633-1691. Hrsg.: Rosengartenmuseum Konstanz u.a. Sigmaringen: Thorbecke, 1996. Ausstellungskatalog.
- Helbling, M. P. Christoph v. Schönau, hochverdienter Stiftsdekan zu Einsiedeln in der Schweiz, gest. 25. Okt. 1684. (Studien und Mittilungen aus dem Benediktiner- und Zisterzienserorden, 27, 1906, 418-427).
- Naumann, Markus. Die adeligen Fürstabteien Kempten und Fulda zwischen Reform und Beharrung im 17. Jahrhundert. Dargestellt unter besonderer Berücksichtigung der Kontakte zu Schweizer Reformklöstern und personellen Verflechtungen. Würzburg: beim Verfasser, 1996.