P. Bonifaz Tschupp von Sursee


Lebensdaten
Geboren 1628, Profess 1645, Gestorben 1706

Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
6. Professen unter Abt Plazidus Reimann 1629-70., Nr. 27
Professbuchnr.
134

Professdatum
1645

Professbuchtext
P. Bonifaz Tschupp von Sursee. Geboren den 30. Dezember 1628. Profess 6. Januar 1645. Priester 8. März 1653.
Den 8. Mai 1654 wurde er zum Gehilfen des Kustos P. Basil bestimmt. Seit 1657 war er Professor der Philosophie, seit 1659 der Theologie, 1660 wurde er Offizial. Im September 1600 musste er P.Joachim von Gengenbach heimholen. Den 30. Dezember 1664 wurde er für P. Christoph Subprior. Von 1665-70 versah er die Statthalterei Pfäffikon, dann wurde er am 28. Nov. zum Statthalter von Ittendorf ernannt, wohin er den 28. Dezember verreiste. Aber schon am 13. November 1671 kam er auf ein neues als Statthalter nach Pfäffikon. Als solcher versöhnte er die von Feusisberg mit denen von Freienbach, die wegen Kirchenbauten Streit hatten. Den 11. April 1672 kehrte er als Subprior ins Stift zurück. Am 28. Juni 1673 wurde er Dekan und als solcher den folgenden 23. Oktober Visitator in der Au. Seit dem 30. Oktober 1676 war er auch Präses der Rosenkranzbruderschaft, hat aber in P. Beda einen Gehilfen. Den 8. März 1677 wurde er als Abt nach Pfäfers postuliert. Er hatte den Abt Augustin dorthin begleitet zur Regelung der Angelegenheiten dieses Stiftes. Da Abt Justus Zink abdankte, übertrugen die Kapitularen die Wahl eines Nachfolgers den anwesenden Äbten von Muri und Einsiedeln und dem abgedankten Abte. Diese einigten sich schliesslich auf den Dekan von Einsiedeln, der seine Zustimmung gab. Am 10. März kam er nach Einsiedeln zurück, wo er feierlich empfangen wurde. Am 19. März traf er wieder in Pfäfers ein.
Der Bischof von Chur bestätigte die Wahl den 22. März und nahm am 3. Mai die feierliche Benediktion vor.
Der neue Abt fand eine sehr schwierige Lage vor. Die sieben im Sarganserlande regierenden Orte versicherten ihn zwar schon am 13. März ihres Schutzes, aber die innern Zustände machten dem neuen Abte viel zu schaffen. Mit Hilfe von Mitbrüdern aus Einsiedeln gelang es ihm allmählich eine Wendung zum bessern herbeizuführen. Um der Reform mehr Sicherheit zu verschaffen, wurde auf Betreiben des Abtes Augustin Pfäfers 1682 von Rom aus auf 30 Jahre dem Stifte Einsiedeln einverleibt, eine Vereinigung, die man in Pfäfers natürlich sehr ungern sah und die auch sogleich nach dem Tode Abt Augustins aufgehoben wurde. Mit dem Kapitel schloss Abt Bonifaz den 26. Februar 1689 einen Vertrag, der die beidseitigen Kompetenzen genau regelte. Er vollendete den neuen Klosterbau und fügte diesem den Bau einer neuen Kirche hinzu, die am 10. Oktober 1694 eingeweiht wurde. Ebenso baute er in Vättis eine neue Kirche, die am 27. September 1697 ihre Weihe erhielt. Den in Ragaz begonnenen Kirchenbau konnte er nicht mehr vollenden. Auch im Bade nahm er bauliche Erweiterungen vor. Daneben trug er eine Schuldenlast von über 40,000 fl. ab und hinterliess seinem Nachfolger noch ebenso viel in bar. Die Rechte, für deren Wahrung er manchen Streithandel auszutragen hatte, sowie die Urbarien, liess er neu aufzeichnen. Nach einer sehr segensreichen Regierung starb er den 19. November 1706, gefeiert als der zweite Gründer dieses Stiftes. Sein Grab befindet sich heute noch in der unter dem rechten Seitenschiff der Kirche gelegenen St. Magdalenakapelle. Die Pfäferser Kapitelsakten sagen zu seinem Tode: «Bonifacius I. qui re et nomine Bonifacius fuit. Religiosus et doctrina et pietate consummatus. Princeps omni ex parte laudandus sed praeter alia etiam commiserandus, quod in perturbatissima et Fabariae iniquiora tempora inciderit, ad regimen Monasterii egestate et aere alieno pressi ex Eremo Bmae Virginis postulatus. Inter omnes tarnen anfractus ipse Monasterium et in spiritualibus et in temporalibus egregie restituitque». Das Nekrologium fügt bei: «Vir in doctrina et pietate praestantissimus, Disciplinae monasticae zelator indefessus, monasterii vix non agonizantis Restaurator et novae Basilicae Conditor». Sein Porträt hängt in der Pflegeanstalt St. Pirminsberg im Treppenaufgang zum Frauenhause; ein anderes in der Bürgerbibliothek Luzern und eine Kopie davon im Stiftsarchiv Einsiedeln110.
Schriften
Schriften: a) Gedruckte:
1. Quaestiones Theologicae ex Verbi Incarnati Delicioso Mysterio Delibatae, et sub Praesidio Adm. Rdi atque Doctissimi P. Bonifacii Tschupp Illmi et Exempti Monrii Bmae V. Einsidlensis O. S. B. Monachi, Officialis et SS. Theologiae Professoris Ordinarii, Publicae Disputationi expositae a Rev. Rel. et Doctissimis D. D. Mariano Scoto et Adelrico Suter, ejusdem Monrii Professis et SS. Theologiae Studiosis, anno 1664, Mense Septemb. die .... Typis ejusdem Monasterii Einsidlensis, Per Jacobum Ammon. 12 °. 284 Seiten.
2. Sertum roseum ex principiis et causis Corporis naturalis plexum. 8. Lucern. Hautt. 1659. (Catalog der aarg. Kantonsbibliothek III. 430.
3. Somweber, Erich. Ein spätkarolingisches Fragment aus einem Werk des egetius. Mit 4 Bildern. P. Eberhard Omlin, handschr. Aufzeichnung der Ethik-Vorlesungen des P. Bonifaz Tschupp. Mscr. in Stadtarchiv Feldkirch. (Jahrbuch Vorarlberger Landesmuseums-Verein 130, 1986, 59-76).

b) Ungedruckte:
1. Logica dictante P. Augustino Reding. 1649. S. 80, 51, 133, 152. Fol. Mscr. 920 (992).
2. Dictata philosophica. 1658. Scripsit Fr. Adalrich Suter. 8 °. 468 S. Mscr. 910 (991).
Sein Briefwechsel als Abt von Pfäfers befindet sich in dem heute im Stiftsarchiv St. Gallen aufbewahrten Bücher-Archiv Nr. 105 und Urkundenarchiv Nr. 1226. Ein Formelund Copialbuch aus der letzten Zeit des Abtes (von 1703) befindet sich im Bücherarchiv Nr. 23 b. - Über die Bautätigkeit des Abtes gibt der von P. Fintan Lienhard verfaßte Bauw-Rodel (Bücherarchiv Nr. 74) Aufschluß und ebenso ein Verzeichnis im Urkundenarchiv Nr. 1349. - Vergl. ferner: Fäh, Dr. A., Baugeschichte der Stiftskirche in Pfäfers. «Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde». N. F. XIX. Bd. 1917. 3. Heft.