P. Wendelin Oswald von Sommeri
Lebensdaten
Gestorben 1541
Personen-ID
Professbuch Band
B
Professbuch Kapitel
1. Professen unter Abt Ludwig Blarer 1526-44., Nr. 1
Professbuchnr.
1
Professbuchtext
P. Wendelin Oswald von Sommeri (Thurgau). Oswald war gebürtig von Sommeri und war bei den Dominikanern in Konstanz eingetreten. Er studierte auf den Hochschulen von Köln, Paris und Freiburg i. Br., wo er das Baccalaureat der Theologie erwarb. Zur Erlangung des Doktorgrades fehlten ihm vorläufig die Mittel. Um einen Ablass für den Wiederaufbau der am 21. Oktober 1511 abgebrannten Münstertürme von Konstanz zu erlangen, wurde er nach der Konstanzer Bistumschronik von Christoph Schulthaiss 1512 nach Rom gesandt. Prior des Konstanzer Predigerklosters geworden, wandte er sich an den in Zürich weilenden päpstlichen Legaten Antonio Pucci, mit dem Ersuchen, ihm den Doktorgrad zu verschaffen. Nach einer öffentlichen Prüfung im Grossmünster verlieh ihm der Legat am 14. September 1518 das Doktordiplom, das sich heute im Stiftsarchiv Einsiedeln befindet1. Seit 1520 wirkte Oswald als Beichtvater an dem Dominikanerinnenkloster St. Katharina zu St. Gallen. Abt Franz von Gaisberg bestellte ihn bald zum Prediger an der Stiftskirche. Als solcher trug er viel zur Erhaltung des alten Glaubens bei. Er vertrat den Abt auch 1526 auf der Badener Disputation. Sein unerschrockenes Auftreten für den alten Glauben zog ihm die Gegnerschaft Zwingiis und anderer Neuerer zu, so dass der Rat von St. Gallen ihm Schutz und Schirm aufsagte. Abt Ludwig, der den vortrefflichen Mann in St. Gallen hatte schätzen lernen, berief ihn darum 1527 nach Einsiedeln, wo er seine Tätigkeit fortsetzte. Abt Ludwig bewog offenbar Oswald, da in Konstanz selber die Neuerung eingeführt worden war, nach Einsiedeln überzutreten. In einer Urkunde vom 12. Dezember 1530 wegen des Fischzinses zu Erlenbach, heisst darum Oswald «couent her daselbs» d.h. zu Einsiedeln2. Joachim Watt von St. Gallen, der Wendelin sehr gut kannte, schreibt in seinem Tagebuch 1532 von ihm: «Doctor Wendeli, der vormals ain predigerbruder, ietz aber ain Benedicter herr zu Ainsidlen was»3. Diesen Angaben ist jedenfalls mehr Glauben zu schenken als P. Josef Dietrich, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts schrieb, Wendelin sei mit Erlaubnis des Nuntius in das Stift aufgenommen worden, habe aber seinen Orden beibehalten4. Wendelin trat auch auswärts, z. B. in Altstätten, 1539 für den gefährdeten katholischen Glauben auf. Die Zürcher suchten vergeblich des eifrigen Mannes habhaft zu werden. Er starb in Einsiedeln d.l4.Juni 15415.
Schriften
- Ringholz, Odilo. Das Doktordiplom des Wendelin Oswald vom 14. September 1518. (Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz, 19, 1908).