Thüring von Attinghausen - Schweinsberg


Lebensdaten

Personen-ID
Professbuch Band
A
Professbuch Kapitel
V. Die Mönche des 14. Jahrhunderts., Nr. 7
Professbuchnr.
101

Professbuchtext
Thüring von Attinghausen - Schweinsberg (Kt. Uri). Wie er selber sagt229, war er von frühester Jugend an im Stifte Einsiedeln erzogen worden. Er war im Jahre 1314 Subdiakon. Die Schwyzer führten auch ihn gefangen mit nach Schwyz, liessen ihn aber schon am 21. Januar frei, da sich mächtige Verwandte für ihn verwendeten; wahrscheinlich war es Wernher von Attinghausen, der von 1294 bis 1321 als Landammann in Uri erscheint und der möglicherweise sein Vater war. Erst 1333 (den 22. April) hören wir wieder von ihm, wie er bereits Abt von Disentis ist; jedenfalls wurde er erst in diesem Jahre Abt. Die Nachricht, dass Bischof Johann I. ihn 1330 benediziert hätte, ist unrichtig. An genanntem Tage schloss er mit dem Bischof von Chur und den vier Gebrüdern von Räzüns einen Bund gegen den Freiherrn Donat von Vatz230. Vor dem 20. Februar 1334 gingen er und Graf Albrecht von Werdenberg mit den Unterwaldnern eine Richtung ein231 ; 1338 schlichtete er mit dem Churer Richter Johannes von Luzern einen Streit zwischen zwei Pfarrherren und ihren Pfarrkindern232. 1339, am 11. November, schlossen der Abt, sein Konvent, Ritter Johannes von Belmont u. a. mit den drei Ländern Uri, Schwyz und Unterwaiden einen Frieden233. Einen andern Frieden mit den drei Ländern, den sein Bruder, Landammann Johannes von Attinghausen, bewerkstelligte, half Thüring unterm 29. November desselben Jahres abschliessen234. 1343, 3. Juni, geschah der Vergleich zwischen dem Stifte Disentis und dem österreichischen Landvogt von Glarus wegen der Landmarch235. 1345, 18. März, übergaben das Domkapitel Chur und Gaudenz von Plantair den Entscheid ihrer Streitigkeiten einem Schiedsgerichte, zu dessen Obmann der Abt bestellt wurde236. 1345, 19. April, werden in einer Streitsache Bischof Ulrich von Chur, die Äbte Thüring von Disentis und Hermann von Pfäfers als Schiedsrichter angerufen237. Mit dem eben genannten Abt Hermann von Pfäfers tauschte er 1339 Eigenleute238. Im Dezember 1343 oder 1344 trafen sie, ferner Graf Rudolf von Werdenberg und Johannes von Attinghausen zwischen der Gemeinde Disentis und den beiden Grafen von Werdenberg einen Vergleich239; um dieselbe Zeit schlossen beide Äbte mit denselben beiden Grafen eine Vereinbarung, wobei letztere versprachen, beide Klöster und deren Untergebene zu keinen andern Leistungen anhalten zu wollen, als zu dem, was dem kaiserlichen Präfekten zu zahlen sei240. Unterm 29. November 1349 kamen wiederum beide Äbte wegen Eigenleuten überein241. Endlich erscheinen beide am 11. Oktober 1334 u. a. als Geiseln (Bürgen) in einem Geschäfte des Bischofs Ulrich von Chur242.
Die wichtigste Tat Abt Thürings war jedenfalls die Vermittlung des Friedensschlusses, durch den der jahrhundertalte Marchenstreit zwischen Einsiedeln und Schwyz beigelegt wurde. Der Vertrag vom 8. Februar 1350 kostete allerdings das Stift mehr als die Hälfte seines ursprünglichen Besitzes, 120 Quadratkilometer; doch nach so langem Ringen kam allen der Friedensschluss sehr erwünscht243.
Unter Abt Thüring kam auch der schwarze Tod in die Bündnerberge (1340 und 1348) und forderte grosse Opfer. Von den Mönchen in Disentis starben alle bis auf zwei und den Abt. Wir erfahren indessen 1346, dass damals fünf Konventualen da waren. Sie stifteten mit dem Abt eine Jahrzeit für ihre verstorbenen Mitbrüder244. Abt Thüring erhöhte auch die Präbenden der einzelnen Stiftsmitglieder (ibidem). Für die Kapelle des hl. Benedikt im Hospiz zu Somvix erwirkte er am 2. Juni 1346 in Avignon von einigen Bischöfen einen Ablass245. Für Einsiedeln beglaubigte Abt Thüring 1340 eine Abschrift des 1288 für die St. Gangulphskapelle gegebenen Ablasses und bestätigte 1349 dem Bischof von Konstanz, dass in Einsiedeln nie ein Subdiakon zur Abtwahl zugelassen worden sei246.
Abt Thüring starb den 3. November 1353; das Nekrologium der Fraumünsterabtei Zürich gibt den 5. November an247. «Er war ein ausgezeichneter und frommer Mann, den Gott in diesen so verwirrten Zeiten, wo die höchsten Häupter der Kirche miteinander stritten, und blutige Parteiungen und Aufruhr, unter dem köstlichen Vorwand, die Freiheit zu schützen, überall aufloderten, dem Bündner- und Schweizerlande als ein Geschenk vom Himmel gab»248.